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Kopfbedeckungen im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann

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Kopfbedeckung der Frau

Schleier

Der Schleier war in verschiedenen Formen das ganze Mittelalter hindurch "en vouge". Im 12. Jahrhundert trug die verheiratete Frau den Schleier als Schleiertuch um den Kopf gewickelt, so dass er das Haar vollständig bedeckte und dass das Ende locker um den Hals gelegt werden konnte (Abb. 25).
Später, ab dem 13. Jahrhundert wurde er locker auf den Kopf gelegt und/oder mit einem Schapel befestigt (Abb. 26 und 27). Wobei das mit dem "locker auf den Kopf gelegt" so sicher nicht stimmt, das Schleier dürfte in diesem Fall mit Haarnadeln festgesteckt worden sein. Er konnte auch mit dem Kinnband des Gebendes kombiniert werden (Abb. 28) oder über dem Stirnreif des Gebendes (Abb. 29; Naumburger Dom) getragen werden. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, den Schleier mit dem Wimpel oder der Rise zu kombinieren.(Abb. 30 siehe auch Abb. 56, 58, 59).
Der Schleier wird auf allen farbigen Abbildungen stets weiß dargestellt. Allerdings sind auch Schriften von Predigern überliefert, die das Tragen von gelben Schleiern verdammen. Also scheint auch das vorgekommen zu sein. Auf den gelben Schleier sollte man aber vielleicht doch besser nur zurückgreifen, wenn man eine Frau von zweifelhaftem Ruf darstellen möchte ;-).

Abb. 25
Abb. 25
Abb. 26
Abb. 26
Abb. 27
Abb. 27
Abb. 28
Abb. 28
Abb. 29
Abb. 29
Abb. 30
Abb. 30

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Gebende

Gebende-Konstruktion
Konstruktion

Das Wort Gebende leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort bant (Band) ab und bezeichnete praktisch alles, was sich irgendwie binden und wickeln ließ. Genannt wird das Gebende bereits im 12. Jahrhundert. Mir ist jedoch keine Abbildung aus dieser Zeit bekannt, die ich zweifelsfrei diesem Begriff zuordnenen kann. Eventuell verschwimmen zu dieser Zeit die Begriffe Gebende und Wimpel (beides wird um den Kopf gewickelt).
Für den von mir betrachteten Zeitraum (13. bis Anfang 14. Jahrhundert) versteht man unter Gebende eine zweiteilige Kopfbedeckung. Das Gebende besteht aus dem Kinnststreifen, der ein- oder mehrmals unter dem Kinn entlang, über die Ohren und oben über den Kopf laufend, um den Kopf gewickelt wird. Das Ganze wird mit einer Nadel fixiert. Der zweiter Teil ist der Stirnstreifen, der ebenfalls ein- oder mehrfach um Stirn und Hinterkopf gewickelt wird, so dass er wie ein Schapel auf dem Kopf sitzt. Auch der Stirnstreifen wird von einer Gebende-Nadel zusammengehalten. Man kann den Stirnreif auch am Kinnband mit Nadeln befestigen, damit er nicht verrutscht.
Bis ca. zur Mitte des 13. Jahrhunderts sind beide Streifen etwa handbreit. Danach werden sie zunehmend schmaler, bis sie Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts nur noch 2-3 Finger breit sind (Abb. 32 und 33).
Von Stirn- und Kinnstreifen gibt es mehrere Variationen:
So kann der Stirnstreifen gefältelt (Abb. 52; siehe auch unter "Haube" Abb. 61) sein oder (zu Beginn des 14. Jahrhunderts) auch gerüscht (Abb. 33).
Beim Kinnstreifen ist (vor allem in Frankreich) eine eine Form zu beobachten, die fast so aussieht, als ob unter dem eigentlichen Gebende noch so eine Art Coiffe getragen würde, bzw. beides mit einander kombiniert wird (Abb. 34, 52 und 53). Abbildung 53 zeigt deutlich eine Naht auf dem Kopfteil dieser haubenartigen Kopfbedeckung, die der Nahtdarstellung bei Männerhauben (Coiffen) sehr ähnlich sieht (Vielen Dank an Nicole Perschau für das Finden dieser Abbildung an dieser Stelle!). Meines Erachtens macht ein solches Konstrukt auch durchaus Sinn, vor allem, wenn man sich im Freien aufhält und keinen Schleier über dem Gebende trägt. Dadurch, dass der Kopf oben komplett bedeckt ist, wird auf jeden Fall die Gefahr einens Sonnenbrandes oder -Stichs gemindert.
Der Übergang zwischen diesen Coiffe-artigen Teilen und den weiter unten beschriebenen Hauben ist vermutlich fließend.

Teilweise sieht es so aus, als wäre der Stirnreif oben geschlossen, wie ein Hut (in der MA-Szene "Pillbox" genannt, nach dem gleichnamigen Hut aus den 50ern). Allerdings scheinen die meisten Abbildungen einen oben offenen Stirnteil darzustellen. Die meisten anderen Abbildungen sind in beide Richtungen interpretierbar. Die nebenstehende "Konstruktions"-Abbildung zeigt z.B. ein oben geschlossenes Gebende, das jedoch deutlich eine Wickelung aufweist: man kann sehr schön das Ende der Stoffbahn erkennen und die Nadel, die das Ganze zusammenhält. Dass das Gebende oben geschlossen ist, lässt sich hier eindeutig über die Funktion der Steinmetzarbeit erklären: es handelt sich um eine Kopfkonsole, auf der wiederum ein anderes Wandelement aufsetzt - die "Ausfüllung" des Gebendes oben ist als durch die Architektur bedingt. Diese Gebendenadel ist auch auf anderen Abbildungen zu erkennen.
Es gibt jedoch ein paar Funde aus Österreich ("Judenddorfer Funde"), die ebenfalls auf eine geschlossene Form des Gebendes hinweisen. Diese Gebende fallen ebenfalls dadurch auf, dass sie fast ausschließlich farbig waren. Diese weicht von den Abbildungen, die fast immer weiße Gebende darstllen, auffallend ab. Allerdings werden in einigen literarischen Quellen bunte Gebende erwähnt (allerdings wird dabei erwähnt, dass diese von jungen Mädchen getragen wurden, wenn sie - im modischen Sinne - besonders mutig sein wollten). Es ist jedoch leider nicht ganz klar, wie diese Funde zu bewerten sind (also regionale Besonderheit oder als Besonderheit einer Minderheitsbevölkerungsgruppe (Juden)).
Alles in allem denke ich, dass man auch hier mit einem weißen, offenen Gebende auf der sicheren Seite ist...

Die Haare konnten unter dem Gebende offen oder zu Zöpfen geflochten getragen werden. In Frankreich war es auch üblich, die Haare im Nacken zu einem Dutt zu stecken (Abb. 34).
Das Gebende wurde von verheirateten Frauen getragen und von Jungfrauen zum Kirchenbesuch; allerdings gilt das wohl hauptsächlich für den Adel. Teilweise war das Kinnband wohl so fest gezogen - zumindest wenn man den literarischen Quellen glauben will - , dass die Damen nur lispeln konnten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein straff sitzendes Gebende nach einer gewissen Zeit anfängt, Ohrenschmerzen zu bereiten, einmal wegen des Druckes und zum anderen, weil man alles so seltsam gedämpft hört.
Über dem Gebende konnte noch ein Schleier getragen werden (siehe auch bei Schleier Abb. 29). Ebenfalls üblich war die Kombination von Haarnetz, bzw. Haube und Gebende.

Abb. 32
Abb. 32
Abb. 33
Abb. 33
Abb. 34
Abb. 34
Abb. 52
Abb. 52
Abb. 53
Abb. 53

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Haube

Die Haube (mhd. hûbe) ist gemäß Brüggen eine an die Kopfform angepasste haubenartige Kopfbedeckung. Sie findet in der höfischen Literatur entsprechende Erwähnung. Die als Hauben bezeichneten Kopfbedeckungen wurden von Männern und Frauen getragen. Bei der Männer-Haube handelt es sich vermutlich um eine andere Bezeichnung für die "Coiffe". Haubenartige Kopfbedeckungen bei Frauen habe ich bereits weiter oben unter "Gebende" mit erwähnt. Hier möchte ich noch einmal genauer darauf eingehen.
Hauben für Frauen findet man in verschiedenen Ausführungen. Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es vor allem Hinweise auf die Haube als einfache Arbeitskopfbedeckung (Abb. 62 und 63).
Zum Ende des Jahrhunderts wurde die Haube dann auch bei den vermögenderen Damen aktuell - oft in Kombination mit anderen Kopfbedeckungen (Abb. 61 und 64). Im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts war die Haube dann eine sehr beliebte Kopfbedeckung (Abb. 65 und 66). Diese Hauben könnten auch als Haarnetz interpretiert werden, was ich allerdings angesichts der Farbgebung für eher unwahrscheinlich halte. Bei den Judendorfer Funden wurde z.B. ein Haube gefunden, die eine solche netzartige, aufgestickte Verziehrung aufweist.
Ansonsten ist sowohl bei Hauben als auch bei Haarnetzen zu beobachten, dass sich die Formen von einer nacken-lastigen Form Mitte des 13.Jahrhunderts (Abb. 62, 63 und 36 unter Haarnetz) zu einer immer mehr seitenbetonten Form Ende des 13. Jahrhunderts (Abb. 61 und 64) und Anfang des 14. Jahrhunderts (Abb. 65 und 66) entwickeln. Dies spiegelt die Entwicklung der Frisuren wider.

Abb. 61
Abb. 61
Abb. 62
Abb. 62
Abb. 63
Abb. 63
Abb. 64
Abb. 64
Abb. 65
Abb. 65
Abb. 66
Abb. 66
Abb. 66a
Abb. 66a

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Haarnetz

Abb. 36
Abb. 36

Das Haarnetz wurde alleine nur von unverheirateten Frauen getragen, in Kombination mit anderen, verhüllenden Kopfbedeckungen (z.B. Gebende) konnte es auch von Ehefrauen getragen werden. (Abb. 36).


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Wimpel

Der Wimpel ist ein schalartiges Tuch, was um Hals, Kopf und Nacken gelegt wurde, so dass vorne nur das Gesicht frei blieb. In dieser Formulierung sind sich Loschek und Kühnel einig.
Der Wimpel konnte alleine (Abb. 54, 55, 57, 67) oder in Kombination mit einem Schleier (Abb. 56, 58) getragen werden. Da er praktisch die Haare komplett verdeckte, galt der Wimpel als sehr züchtige und sittsame Kopfbedeckung. Er war sehr oft Bestandteil der Nonnentracht. (Abb. 56).
Eigene Versuche, die zeitgenössischen Bilder zu interpretieren, haben gezeigt, dass der Wimpel vermutlich ein ca. 170 - 180 cm langes und ca. 40 cm breites, schalartiger Stoffstreifen war. Dieser Streifen konnte dabei (wieder vermutlich) entweder rechteckig sein oder aber sich zu einem Ende hin dreieckig verjüngen. Auf diese Weise bekommt man jedenfalls Ergebnisse, die den Abbildungen recht nahe kommen. Außerdem entsprechen beide Formen den Grundformen, die im Hochmittelalter bei der Herstellung von Kleidern am häufisten benutzt wurden. Erstaunlich ist dabei auch, dass diese Art der Kopfbedeckung ohne Nadeln auskommt. Wenn man den Wimpel gut gewicklet hat, kann er den ganzen Tag halten. Manchmal muss man ihn 2 bis 3 mal "nachjustieren". Verweise auf eine ausführliche Beschreibung meiner Wimpel-Rekonstruktionen und den Wickeltechniken finden sich im nebenstehenden Link-Kästchen.
Getragen wurde der Wimpel in verschiedenen Formen vom 9. bis zum 15. Jahrhundert.
Der Wimpel ist jedoch nicht immer eindeutig von der Rise (Abb. 59) zu unterscheiden.
Er ist übrigens nicht mit der sogenannten "Gugelhaube" zu verwechslen, die in der Mittelalterszene gerne als "Wimpelersatz" genommen wird. Diese Haube gab es im Hochmittelalter meines Wissens nach noch nicht.

Abb. 54
Abb. 54
Abb. 55
Abb. 55
Abb. 56
Abb. 56
Abb. 57
Abb. 57
Abb. 58
Abb. 58
Abb. 67
Abb. 67

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Rise

Abb. 59
Abb. 59

Die Rise (von mhd. risen = herabhängen) ist ein Tuch, das von einer Schläfe unter dem Kinn entlang zur anderen Schläfe drapiert wird. Dabei hängt die Rise so nach unten, dass auch der Hals davon bedeckt wird. Soweit sind sich Loschek und Kühnel einig. Bei der Datierung wird es etwas schwieriger: Kühnel datiert die Rise auf das 13. - 15. Jahrhundert, Loschek auf das 14./15. Jahrhundert. Laut Brüggen wurde der Begriff Rise in der höfischen Literatur der 12. und 13. Jahrhunderts für eine Kopfbedeckung der Frau benutzt. Auf englisch hieß die Rise im Übrigen "wimple", was die Sache auch nicht wirklich einfacher macht.
Vermutlich haben sowohl Wimpel als auch Rise parallel existiert, auch in der Nonnentracht. Die Abbildungen lassen sich selten eindeutig in Reichtung Rise interpretieren (ich habe zumindest bis jetzt keine gefunden - aber das habe ich auch schon an anderer Stelle gesagt, an der dieser Komentar nun nicht mehr steht ;-)). Die hier abgebildete Kopfbedeckung könnte eine Rise sein, da man zumindest hier nicht den sonst oft sichtbaren Stirnteil des Wimpels erkennen kann. Ich habe es allerdings noch nicht geschafft, einen so gleichmäßig gefältelten, an den Seiten des Halses so schön anliegenden Wimpel oder auch Rise zu konstruieren...
Wenn wir also davon ausgehen, dass die Rise existiert hat, dann war es vermutlich ein rechteckiges Stück Stoff. Es liegt nahe, dass sie zusammen mit einem schmalen Gebende getragen wurde, denn sie läßt sich so gut am Stirnband an den Schläfen feststecken.
Die Rise ist übrigens nicht mit der sogenannten "Gugelhaube" zu verwechslen, die in der Mittelalterszene gerne als "Wimpelersatz" genommen wird. Diese Haube gab es im Hochmittelalter meines Wissens nach noch nicht.


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Schapel

Abb. 35
Abb. 35

Das Schapel alleine wurde von jungen, unverheirateten Mädchen und auch von Männern getragen. Verheiratete Frauen trugen es, um den Schleier zu fixieren (siehe auch Abb. 27). Das Schapel war vermutlich Metall, aus Stoff/Borte oder auch aus Blumen gefertigt (Abb. 35). Genau lässt sich das auf den Miniaturen nicht erkennen. Gut zu erkennen ist sind jedoch die beiden Bändel, mit denen das Schapel am Hinterkopf geschlossen wurde.


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Gugel

Abb. 36a
Abb. 36a

Die Gugel wurde von Frauen nur auf Reisen als Wetterschutz getragen. Alle bildlichen Darstellungen, die ich kenne, zeigen die Gugel im Zusammenhang mit dem Reisegewand Garde-Corps. Es fällt auf, dass die Gugel dabei nie aufgesetzt gezeigt ist - das galt wohl nicht als besonders schick für Frauen.
Die Gugel ist übrigens nicht mit der sogenannten "Gugelhaube" zu verwechslen, die in der Mittelalterszene gerne als "Wimpelersatz" genommen wird. Diese Haube gab es im Hochmittelalter meines Wissens nach noch nicht.


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Strohhut

Abb. 37
Abb. 37

(Abb. 37)


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