Bild: Tempora Nostra: Geschichte sehen - hören - begreifen
<< Übersicht Kleidung

Wimpel Variante 2

vergrößerte Darstellung eines Wimpels (Variante 2)
Quellen-Informationen:

Quellen

Quellenprobleme


Beschreibung:

Der Wimpel ist eine Kopfbedeckung, die hauptsächlich von Frauen getragen wurde. Er wird um Stirn, Kinn und Hinterkopf gewickelt, so dass der gesamte Kopf bedeckt ist und nur das Gesicht frei bleibt. Der hier abgebildete Wimpel (links) ist aus einem ca. 170 cm lang. Er ist auf der einen Seite ca. 42 cm breit und verjüngt sich schließlich nach ca. 63 cm zur anderen Seite hin auf ca. 7 cm. Diese Wimpelvariante wird meist in Kombination mit einem Schleier getragen (rechts).
Der Schnitt des Schleier ist ein Halboval, das mit der gerade Seite hin zum Gesicht getragen wird. Wimpel und Schleier sind aus feinem gebleichtem Leinen gefertigt.
Dass diese Kombination sehr nach Nonne aussieht ist nicht von ungefähr, denn sie konnte Bestandteil der Nonnentracht sein. Da diese Kopfbedeckung den gesamten Kopf und den Hals bedeckt, galt sie als sehr züchtig.
Schnittmuster:
Schnittmuster fuer Wimpel
Ausführung: Gabriele Klostermann (Tempora Nostra)

Rundumansicht:

Wimpel von rechts
Wimpel von rechts
Wimpel von hinten
Wimpel von hinten
Wimpel von links
Wimpel von links




Wickeltechnik - in 8 Schritten zum Wimpel:

1. Schritt
1. Schritt
2. Schritt
2. Schritt
3. Schritt
3. Schritt
4. Schritt
4. Schritt
5. Schritt
5. Schritt
6. Schritt
6. Schritt
7. Schritt
7. Schritt
8. Schritt
8. Schritt


1. Schritt:
Das Wimpeltuch wird so auf den Kopf gelegt, dass die breite Seite auf dem Kopf zu liegen kommt. Die gerade Seite des Wimpels liegt dabei vorne (ist also zum Gesicht gerichtet)
2. Schritt:
Die kürzere Seite ist also die breitere. Sie sollte etwa bis zum Kinn hinunterhängen.
3. Schritt:
Nun wird der Stoff an beiden Seiten der Stirn zu einer Falte eingeschlagen, so dass er besser am Kopf anliegt.
4. Schritt:
Die lange Seite des Wimpels wird unter dem Kinn entlang zur anderen Seite geführt. Hier also vom Betrachter aus gesehen von rechts nach links. Anschließend wird sie nach hinten Richtung Hinterkopf geführt. Dabei wird sie leicht zusammengerafft.
5. Schritt:
Die Stoffbahn wird am Hinterkopf entlang geführt, wieder zur rechten Seite zurück.
6. Schritt:
Nun wird sie einfach weiter um den Kopf geschlungen, über die Stirn nach links hinüber.
7. Schritt:
Und noch einmal nach hinten und um den Hinterkopf herum nach rechts.
8. Schritt:
Das kleine Stück, das nun noch übrig ist, wird einfach hinter den bereits am Kopf liegenden Wulst gesteckt und damit befestigt - und das Alles ohne Nadeln. Wenn man gut gewickelt hat, hält das Ganze einige Stunden.

Zum Schluss kann nun noch ein Schleier darauf befestigt werden. Diesen steckt man am besten rechts und links auf Höhe der Schläfen am Wimpel mit Nadeln fest (aber vorsichtig ;-)).

zum Beginn der Seite springen

Quellen

Abbildung eines Wimpels
Abbildung eines Wimpels
Abbildung eines Wimpels

Als ich die nebenstehenden Abbildungen entdeckte war ich wie elektrisiert. Dies waren die ersten Bilder, die die Konstruktion eines Wimples dieser Art, also eines Wimpels, der auch den Hals mit bedeckt, erahnen ließen. Beflügelt durch meine Erfahrung mit der Wimpelvariante 1, machte ich mich daran, auch diese Kopfbedeckung nachzubilden. Meine bisherigen Versuche mit einer Rise waren nämlich nicht zufriedenstellend verlaufen.
Zunächst versuchte ich, den Wimpel mit dem rechteckigen Wimpeltuch (Variante 1) zu konstruieren. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass der Wulst, der oben horizontal um den Kopf gewickelt wird, zu dick wurde. Schließlich hatte Sven die Idee, das Ganze zu einer Seite hin schmaler zu machen (es geht nichts über Teamwork!). Nach einigem Zögern versuchte ich dies, weil ich mir sagte, dass ein Dreieck schließlich eine bekannte Form bei der Schnitterstellung war (nämlich in Form von Geren). Dies erwies sich als sehr praktikabel.
Ein weiterer interessanter Hinweis kam von Philipp, der den modernen Begriff "Wimpel" ins Spiel brachte. Heute versteht man unter Wimpel eine längliche, dreieckige Fahne. Es wäre einmal interessant, die Herkunft des Begriffes zu klären...

Quellen:
La vie et les Miracles de Notre Dame, Frankreich, Ende 13. Jh. Die Bilder sind z.B. zu finden in: Westeuropäische Buchmalerei, ISBN 1-90431-048-6, Seite 49.


zum Beginn der Seite springen

Quellenprobleme

Auch diese Wimpel-Rekonstruktion ist eine Interpretation. Ich persönlich finde sie - rein von der Ähnlichkeit zur Abbildung - nicht ganz so gelungen, wie die Variante 1. Aber insgesamt scheint mir diese Konstruktion durchaus Sinn zu machen. Viele Abbildungen sehen aus, als könne diese Konstruktion dahinter stecken.
Insgesamt denke ich, dass es den "DIN-Wimpel" sowieso nicht gab. Es werden durch die Jahrhunderte viele verschiedene, regional differierende Formen existiert haben. Und dies hier ist eine Möglichkeit.


zum Beginn der Seite springen

Kopfbedeckungen


zum Beginn der Seite springen