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Mode im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann



Tipps und Tricks

Vorwort zur Schnitterstellung

Hier möchte ich meine Art der Schnitterstellung vorstellen. Inwieweit diese Methode "historisch" ist, vermag ich nicht zu sagen. Ein Zentimetermaßband gab es damals so sicher nicht, moderne Schneiderkreide auch nicht. Aber Maße kann man durchaus auch mit Schnüren abnehmen. Das Karo-Papier ist natürlich ebenfalls ein modernes Hilfsmittel. Es ersetzt uns Erfahrung. Wer bereits einige Schnitte erstellt hat, wird es nicht mehr unbedingt benötigen. Für den Anfang ist es aber einfacher.
Ich persönlich gehöre nicht zu den Leuten, die alles so genau ausrechnen und messen, dass sie hinterher alles auf den Zentimeter genau zusammensetzen können. Ich mache gerne großzügige Sicherheitszuschläge (überflüssigen Stoff hinterher abzuschneiden ist einfacher als zu kurzen Stoff zu verlängern) und nutze Techniken, die Korrekturen und Anpassungen während des Arbeitens zulassen. Ich habe übrigens auch keine fertigen Schnitte, sondern konstruiere jedes Mal wieder neu.
Ihr müsst mal sehen, wie Ihr mit meiner Vorgehensweise klar kommt. Anfängern empfehle ich auf jeden Fall, das erste Kleid aus billigem Baumwollstoff (oder einem alten Bettbezug ;-)) zu machen. Wenn alles hingehauen hat, kann man das Kleid auch wieder auftrennen und die einzelnen Schnittteile als Schnittmuster für zukünftige Kleider verwenden.

Work in progress...

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Schnitterstellung

Maßnehmen
Abb. 1

Benötigte Körpermaße:
a = Schulterlänge (von Hals bis Schulterende)
b = Schulterbreite (von Schulter zu Schulter)
c = Brustumfang (weiteste Stelle unter den Armen)
d = Ärmellänge (von der Schulter bis zum Handgelenk)
e = Handgelenkumfang
f = Körperhöhe (von der Schulter bis zum Boden)

Sonstiges:
Karo-Papier (1 Blatt)
Bleistift
Radiergummi
Stoff (ca. 3,00m x 1,50m)
Garn
Schere
Nähnadel
Stecknadeln
Schneiderkreide
Grundkenntnisse in Geometrie schaden nicht ;-)


Wie unter "Schnitt-Prinzip" beschrieben, besteht ein hochmittelalterliches Kleid aus geometrischen Formen, die es erlauben, die vorhandene Stoffbahn nahezu ohne Verschnitt zu nutzen.
Um dies auch wirklich zu erreichen, muss man die vorhandene Stoffbahn optimal aufteilen. Das geht am Besten mit einem Bleistift und Karo-Papier. Ein Kästchen entspricht dabei 10 cm.
Nun kommen die Maße ins Spiel... Ich werde anhand eines Beispiels erklären, wie es funktioniert. Das sind meine Maße und die werden für die Wenigsten so passen. Ihr müsst also selber ran - und dafür mache ich das hier ;-).

Beispielmaße für eine einfache Frauen-Cotte (bodenlang, ohne Mittelgere):
a = 15 cm
b = 42 cm
c = 90 cm
d = 63 cm
e = 17 cm
f = 160 cm

Bei einigen Maßen kommen noch Nahtzugaben hinzu.

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Mittelteil

Maße des Mittelteils
Abb. 2

Fangen wir mit den Maßen für das große Rechteck (vorderes und hinteres Mittelteil) an. Die Länge entspricht der Länge des Kleides und damit ungefähr f. Für eine Adelsdarstellung werden 20/30 cm dazugegeben. Eine einfache Männercotte ist ungefähr knielang. Ferner wird Nahtzugabe oben und Saumlänge unten dazuaddiert. Also ist die Bruttolänge = 165 cm. Die kurze Seite liegt idealerweise beim halben Brustumfang + ein paar Zentimeter, denn die Cotte soll ja nicht eng anliegen (+ Nahtzugabe). Damit kommen wir auf eine Bruttobreite von 55 cm. Das ergibt also ein Rechteck von 55 cm x 165 cm und das Ganze brauchen wir zwei mal: einmal für vorne und einmal für hinten.

Maße des Mittelteils
Abb. 3
Nun fangen wir an die beide Rechecke auf das Karo-Papier zu übertragen. Dabei entspricht 1 Kästchen = 10 cm. Wir gehen zunächst von einer Stoffbahn mit den Maßen 150 cm x 300 cm aus.

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Seitengere

Maße der Seitengere
Abb. 4

Nun zu den Seitengeren: Hat das Mitteltel die Breite des halben Brustumfangs (+Zugaben), setzen die Gere (Keile) direkt unterhalb der Ärmel mit der Spitze an (auch hier bitte Nahtzugaben beachten). Um die Länge der Geren zu berechnen müssen wir ungefähr wissen, wie breit unser Ärmel am Ärmeleinsatz wird. Ich gehe von einer einfachen Breite von ca. 27 cm aus. Die Ärmel sollten oben weit sein. Früher hätte ich vorgeschlagen, an einem T-Shirt oder an einer Bluse zu messen - aber die sind heutzutage (2014) dermaßen eng, dass es als Vorbild für Mittelalterkleider nicht zu gebrauchen sind. Lieber einen lockeren Pulli oder einen Mantel/eine Jacke nehmen und oben am Ärmelansatz messen.
Zusätzlich muss man noch 2 - 3 cm für die Schulterschräge mit einrechnen. So kommen wir zu einem Versatz der Gere zur Körperhöhe (f) von 30 cm.

Maße der Seitengere
Abb. 5
Im Beispiel gehe ich damit von einer Seitenlänge von 135 cm für den Ger aus (160 - 30 + Zugabe). Wie im Schnitt-Prinzip beschrieben, werden ja zwei Gere aus einem Rechteck geschnitten.
Wenn wir uns unser Karo-Papier anschauen, dann ist neben den beiden Mittelteilen noch 40 cm Platz ( = 4 Kästchen). Das ist ein gutes Maß für einen Seitenger.
Damit haben wir nun ein Rechteck von 40cm x 135 cm. Der eigentliche Keil wird etwas schmaler werden, da noch die Nahtzugabe abgeht, die ist in den 40 cm schon mit drin.
Mit einem Rechteck haben wir aber erst zwei Gere, wir brauchen also noch zwei weitere. Sinnvollerweise platzieren wir diese unterhalb des ersten Rechtecks.
Nach dem Anzeichnen der beiden Rechtecke werden nun die Diagonalen gezogen, um eben Keile daraus zu machen. ACHTUNG! Die Diagonalen müssen spiegelverkehrt zu einander sein!

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Ärmel

Maße der Ärmel
Abb. 6

Jetzt kommt das schwierigste: die Ärmel. Es gibt vom Prinzip her viele Möglichkeiten, einen Ärmel zu konstruieren. Hier werde ich zunächst eine Möglichkeit beschrieben. Im Kapitel "Alternativen" werde ich noch andere Möglichkeiten beschreiben.
Auch den Ärmel kann man aus Rechtecken und Dreiecken zusammensetzen.
Wir hatten für den Ärmel eine halbe Breite von 27 cm angenommen, macht eine Gesamtbreite von 54 cm. Das würde bei einer Armlänge von 63 cm theoretisch ein Ärmel-Recheck von 63 x 54 ergeben (Nettomaße).
Aber es soll ja mit einem Keil gearbeitet werden, analog zum historischen Schnittmuster der hl. Elisabeth. Sagen wir mal, der Keil soll 14 cm breit sein (zu breit sollte es nicht werden, sonst stimmen die Proportionen nicht mehr mit dem Original überein). Dann fehlen jetzt noch 40 cm zur Gesamtbreite. Es ergibt sich also ein Rechteck von 40 x 63 und ein Keil von 14 cm Breite und ca. 42 cm Länge. Der Keil geht bei mir von der Schulter aus gesehen über den Ellebogen hinaus.
Um die Form des Ärmels nach unten hin enger werden zu lassen, wird auf der unteren Seite des Rechecks noch ein Dreieck weggeschnitten. Bei mir kann ich genau dieses Dreieck als Keil am Ärmel benutzen - das geht aber nur bei langen dünnen Armen, für alle anderen Leute, für die ich bisher Ärmel konstruiert habe, musste ich ein Extra-Dreieck nehmen. ;-).
Die Ärmel-Rechecke plazieren wir auf der Stoffbahn nun unter den Rumpfbahnen. Ich nehme hier der Einfachheit halber auch einen Extra-Keil.


Maße der Ärmel
Abb. 7

Hier der um der um die Ärmel erweiterte Schnittplan. Die Brutto-Maße für die großen Ärmel-Rechtecke betragen 43 x 70 (bei der Ärmellänge bin ich immer recht großzügig). Das Rechteck, aus dem die beiden Ärmelkeile konstruiert werden, misst mit Zugaben 17 x 45 cm.
Wie wir sehen, braucht dieses ganz einfache Kleid keine 3 Meter Stoff. Eine geringere Weite sollte es aber nicht haben. Bevor wir uns um das Zusammennähen kümmern, gibt es noch ein paar Schnitt-Alternativen, denn der Stoff ist nicht immer 150 cm breit und mehr Beinweite ist bei eine höheren Darstellung auch angesagt.


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Alternativen

Schnitt-Alternative 1
Abb. 8

Hier ist der Stoff nur 140 cm breit. Die Seitengere wären hier zu schmal. Man kann jedoch auch mit 3 Geren pro Seite arbeiten (siehe hl. Klara). Dabei wird zwischen die beiden Seitengere ein schmalerer Mittelger eingeschoben. Das würde auch schon für eine mittlere Darstellung reichen.
Allerdings überschreiten wir nun knapp die Länge von 300 cm - es wären 305 cm.


Schnitt-Alternative 2
Abb. 9

Eine andere Verteilung der Rechtecke und ein bisschen schmalere Seitengere würden das Problem lösen.
Normalerweise schneiden wir die Rechtecke parallel zum Fadenverlauf (das ist die Richtung der Kettfäden, oder verinfacht gesagt die Webkante). Den Ärmel können wir aber auch quer zum Fadenverlauf schneiden. Es sollten dann nur alle Teile die gleiche "Richtung" haben.
Für kleinere Leute kann man auch den Rumpf quer zum Fadenverlauf schneiden, das spart manchmal Stoff. Es müssen dann aber alle Rumpfteile, auch die Gere, entsprechend quer geschnitten werden.


Schnitt-Alternative 3
Abb. 10

Eine andere Möglichkeit, die Stoffbahnen anders zu verteilen, besteht darin, die Mittelbahn schmaler (ca. Schulterbreite) zu machen und die Seitengeren dafür breiter. Die Spitze des Gers setzt dann nicht unterhalb des Ärmels an, sondern weiter oben, ggf. ganz oben an der Rumpfbahn. Der Armausschnitt wird dann ganz oder teilweise auf dem Ger ausgeführt.


Für alternative Ärmelformen gibt es im Prinzip keine DIN. Der Schnitt der hl. Klara hat eine Art "Fledermaus"-Äarmel, der aus 3 Teilen und einem winzigen Zwickel besteht.
Wenn der Stoff partout nicht reicht, kann man ihn auch aus mehreren Teilen zusammenstückeln. Ist er zu eng, setzt man noch einen weiteren Ger ein.
Für eine einfache Darstellung oder ein kleines Kind kann man auch auf die Armkugel verzichten und den Ärmel gerade ansetzten. Dann sollte man aber einen kleinen quadratischen Zwickel im Bereich der Achsel mit einbauen.
Bei einer Mönchs- oder Nonnendarstellung sollte man dies auf jedenfall tun. Die Ärmel verjüngen sich dann nicht zum Handgelenk sondern haben meist über die gesamte Länge die gleiche Breite.

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Exkurs Geometrie

Zwischendurch unternehmen wir einen kleinen Ausflug in die Geometrie, nur um sicher zu gehen, dass auch an alles gedacht wird.

Dreiecke im Schnitt
Abb. 11

Wir konstruieren hier andauernd Dreiecke aus Rechtecken durch Diagonalteilung. Dabei entstehen rechtwinklige Dreiecke. Diese haben eine kurze Seite und zwei, etwas unterschiedliche lange Seiten. Die kürzere Seite (die mit dem rechten Winkel) hat die "richtige" Länge, die andere Seite müsste theoretisch auf genau diese Länge gekürzt werden (siehe Abb. 11). Wir haben dann ein gleichschenkeliges Dreieck.


Dreiecke im Schnitt 2
Abb. 12

Man kann jedoch die langen Seite auch zunächst lang lassen. Man orientiert sich dann an der kürzeren Seite, fängt oben an der Spitze an zu nähen und schneidet hinterher das, was an der langen Seite übersteht, ab. Dies kommt meiner Art zu arbeiten entgegen, da ich es beim besten Willen nie schaffe, die gleichen Längen bei allen Schnittteilen hin zu bekommen. Ich habe so etwas mehr Toleranz.


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Fein-Tuning

So, nun geht es ans Fein-Tuning.
Im Prinzip kann man nun die vorgezeichneten Bahnen ausschneiden. Man kann die folgenden Zeichnungen natürlich auch vorher anbringen.

Einzeichnen
Abb. 13

Zuerst zeichnen wir die Armausschnitte, die Schulternähte und den Halsausschnitt ein, wie nebenstehend in Abb. 13 rot dargestellt.
Zur Erinnerung habe ich auch noch einmal die anderen Maße eingezeichnet - das Plus bedeutet Zugaben.
Das grüne Maß g ist die halbe Ärmelbreite.
Ich habe hier den Ärmelausschnitt des Rückenteils etwas abgeflacht, wie im Original. Der Ärmel wir dann danz leicht schräg nach vorne eingesetzt, wie man das auch bei modernen Schnitten macht. Das verbessert den Sitz und die Bewegungsfreiheit. Man kann für den Anfang aber auch beide Ausschnitte gleich machen (wie den des Vorderteils). Da das Kleid insgesamt recht locker sitzt, kommt es ersteinmal nicht so darauf an. Ich habe das anfangs auch so gemacht.
Der Halsausschnitt sollte eng am Hals anliegen, der Ausschnitt vorne + der Ausschnitt hinten sollten also nur etwas größer sein als der gemessene Halsausschnitt. Vorne ist der Ausschnitt etwas tiefer. In der Mitte des vorderen Ausschnitts wird ein Schlitz angezeichnet, der den Ausschnitt groß genug für den Kopf macht.


Nun kommen wir zu den Ärmeln. Wie schon besprochen, wird der Ärmel nach unten hin enger. Hier gehen wir davon aus, dass der Ärmel eng anliegen soll, obwohl das bei einer einfachen Cotta nicht nötig ist. Bei einer einfachen Darstellung kann der Ärmel am Handgelenk ruhig etwas Spiel haben, damit man ihn ggf. noch hochkrempeln kann.

Ärmel konstruieren
Abb. 14
Ärmel konstruieren
Abb. 14.1

Unten wird das Ärmelrechteck nun so beschnitten, dass nur die Breite des Handgelenks (plus Zugaben) übrig bleibt. Dabei wird auf einer Seite ein entsprechendes Dreieck weggeschnitten (Abb. 14).
Nachteil bei dieser Konstruktionsweise ist, dass der untere Ärmelabschluss beim Zusammennähen des Ärmels ein bisschen schief wird. Das kann man natürlich begradigen, aber insgesamt wirkt der Ärmel ein wenig in sich verzogen. Mich persönlich stört das nicht. Für Anfänger einfacher ist das Erstellen eines symmetrischen Ärmelrumpfes, wie in Abbildung 14.1 gezeigt. Hier wird an beiden Seiten gleichviel Stoff weggeschnitten, so dass sich der Ärmel beim Zusammennähen nicht "verdreht".
Bei einem eng anliegenden Ärmel sollte noch an ein oder 2 Stellen weiter oben am Unterarm der Umfang gemessen werden, um einen guten, engen Sitz zu gewärhleisten - das habe ich hier mit der blauen Maßlinie angedeutet, sie symbolisiert den Unterarmumfang an einer bestimmten Höhe. Bitte an die Nahtzugaben auf beiden Seiten denken!
Im von uns betrachteten Zeitraum wird der Ärmel unterhalb des Ellenbogens wieder weiter. Dies ist wichtig, damit der Ellenbogen beim Beugen genug Platz hat. Auch dass sollte man vorsichtshalber nachmessen. Dabei den Umfang am Ellenbogen nicht beim ausgestreckten Arm sondern beim stark angewinkeltem Arm messen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Ärmelrechtecks wird dann oben der vorbereitete Ärmelkleil angenäht (hier ist es die bereinigte, gleichschenklige Form).


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Zuzammennähen

Jetzt wird ausgeschnitten - Nahtzugabe überall beachten, letzte Chance! - und dann fangen wir mit dem Zusammennähen der Einzelteile an.
EIne gute Zusammenstellung von im Mittelalter üblichen Nähten findet Ihr hier: http://www.familia-ministerialis.de/naehte.html
Dabei sollte die Stoffseite immer beachtet werden. Jeder Stoff hat eine rechte und eine linke Seite. Die rechte Seite soll nachher außen liegen, sie wird sichtbar. Falls Ihr Euch nicht mehr sicher seid, welche Seite die richtige ist, ist das nicht so schlimm (bei vielen Stoffen ist das schwer zu entscheiden, manchmal sogar egal) - hauptsache, Ihr entscheidet Euch für eine Seite und bleibt dann dabei. Ich kennzeichne vor dem Schneiden alle Stoffteile (auch jeden Ger) mit einem großen L (aus Schneiderkreide, natürlich) auf der linken Seite. Als erstes nähen wir jeweils die beiden Seitengere an die Rumpfbahnen. Dabei bitte darauf achten, dass der Fadenverlauf stimmt. Wir setzten die Gere oben, also hier unmittelbar unterhalb der Ärmellöcher, an. Am Saum unten kann man hinterher definitiv einfacher alles auf eine Länge schneiden, falls das nötig sein sollte.
Der Stoff wird beim Zusammennähen rechts auf rechts gelegt.
Es bietet sich an, die Naht zunächst mit Stecknadeln abzustecken, damit die Stoffstücke beim Zusammennähen nicht gegeneinander Verrutschen.
Sind alle 4 Keile an den Rumfpstücken befestigt, näht man als nächstes die Schulternähte zusammen. Hierzu werden die beiden Rumpfteile (mit den Geren daran) rechts auf rechts aufeinander gelegt, so dass die Schulternähte ünereinander liegen. Stecken und nähen.
Wenn man möchte, kann man nun Vorder- und Rückteil zusammennähen - aber hier wird nun etwas eine handbreit unter den Ärmellöchern die Naht offengelassen (bzw. eben eine handbreit tiefer erst angesetzt). Das brauchen wir als Sicherheit beim Ärmeleinsetzen. MIt der Zeit braucht man immer weniger "Sicherheit". Ihr könnt auch schon einmal ausprobieren, wir gut die Ärmel in das eingezeichnete Ärmelloch passen (dann müsste Ihr die Ärmel natürlich vor den Seitennähten fertig haben; beim Ausprobieren bitte vorgehen wir unter Ärmel einsetzen beschrieben). Wenn es nicht 100%ig passt - keine Panik, dafür haben wir ja unsere Trinks...

Ärmel konstruieren 2
Abb. 15

Abb. 15 zeigt nun, wie der Ärmel zusammen genäht wird.
Dazu wird der Stoff auch hier rechts auf rechts gelegt.
Die beiden kleinen Strichelchen im Unterarmbereich zeigen an, wie lang der Schlitz unten im Ärmel werden soll. Dieses untere Stück bleibt hier als offen.
Nach dem Zusammennähen wird der Schlitz versäumt und natürlich der Ärmel unten. Oben lassen wir den Ärmel, wie er ist. Er braucht keine gerade Kante oben zu haben.
Wenn Knöpfe angebracht werden sollen, wird genau so konstruiert: die beiden Seiten des Ärmelschlitzes liegen auf Stoß zusammen, es braucht keine Überlappung. Die Knopflöcher kommen dann auf die eine Seite (relativ nahe am Rand, aber nicht zu nahe, sonst reißen sie aus). Auf der anderen Seite werden die kleinen Kugelknöpfchen, die über einen recht langen Schaft verfügen, genau gegenüber dem passenden Knopfloch exakt auf die Kante des Stoffes genäht. Auf diese Weise ragen die ein Stückchen über den Stoff hinaus, ungefäht das Stückchen, dass die Knopflöcher vom Rand entfernt sind. Dadurch schließt der Ärmel bündig, ohne dass er irgendwo überlappt.


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Ärmel einsetzen

Ärmel in Cotta einsetzen
Abb. 3

Um die Länge des Ärmels zu bestimmen, misst man vom Schulteransatz bis zum Handgelenk. Ärmel, die unten eng geschlossen werden, sollten etwa 5 cm länger bemessen werden, damit sich der Ärmel hinterher über dem Ellenbogen etwas schoppen kann - dadurch erhält man sich beim Armbeugen die Bewegungsfreiheit. Ich arbeite davon abgesehen eh immer mit einem Sicherheitszuschlag von 2-3 cm ;-).
Zunächst wird der Ärmel zusammengenäht: Der Keil wird an einer Seite angenäht, dann werden beide Seiten zu einer Röhre zusammengenäht. Um die Armkugel kümmern wir uns dabei gar nicht. Der obere Abschluss des Ärmels wird halt wie er wird.
Nun wird der Ärmel auf rechts gedreht, das oben zusammengenähte Kleid auf links. Wenn man halbwegs symmetrisch arbeitet, ist es egal, welcher Ärmel links und welcher rechts ist. Kommt man mit der Symmetrie nicht zurecht: 'rumprobieren!
Der Ärmel wird nun, wie auf Abb. 3 zu sehen ist, in den Ärmelausschnitt gesteckt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Seite mit dem Keil zum Rückenteil der Cotta zeigt. Der Ärmel wird dabei ganz leicht schräg eingesetzt.
Es ist am Anfang etwas schwierig, zusätzlich zum Ärmel auch noch die beiden Cotta-Teile übereinander zu bekommen. Ich fixiere dabei zunächst die beiden Cotta-Teile unterhalb des eingesetzen Ärmels mit einer Stecknadel. So sollen sie später zusammengenäht werden.
Wenn der Ärmel schön glatt im Kleid liegt, wird er mit Stecknadeln auf den vorgezeichneten Ärmelausschnitt-Linien festgesteckt.
Wenn man damit fertig ist, dreht man das Ganze ganz vorsichtig auf rechts und schaut, ob auch alles richtig sitzt und keine Falten schlägt. Wer mutig ist, kann das Ganze anprobieren. Aber gaaaaz vorsichtig, beim Jupiter! Ich persönlich setze mich dem Pieks-Risiko lieber jedes Mal aus - denn Handnähte wieder auftrennen ist blöd! ;-)
Wenn man den Ärmel rundherum angenäht hat (und alle Nadeln wieder draußen sind) kann noch eine Anprobe erfolgen. Ist alles ok, wird der überstehende Stoff vorsichtig abgeschnitten. Dabei muss man höllisch aufpassen, dass man nichts Verkehrtes abschneidet! Jetzt noch versäubern - fertig! War doch gar nicht so schlimm... ;-)
Die Methode hat den Vorteil, dass man nichts ausmessen muss. Alles passt sich automatisch an und die Armkugel ergibt sich so ganz von alleine.

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