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Mode im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann


Oberkleid   |   Unterkleid   |   Überkleid   |   Schlupfärmel

Überkleid

Über dem eigentlichen Kleid (Oberkleid) konnte noch ein Überkleid getragen werden. Das konnte ein Umhang sein, ein Reisegewand, das konnte aber auch ein weiteres Kleid sein. Auch hier zeigt sich im angesprochenen Zeitraum eine Entwicklung. Zwar blieben viele Gewandformen die ganze Zeit (also ca. 100 Jahre) über modern, aber im letztes Drittel des 13. Jahrhunderts wurden die Formen des Überkleides vielfältiger.
Im Folgenden soll auf die verschiedenen Überkleider eingegangen werden:

Surkot

Bild: Abb. 15
Abb. 15

Der Name Surkot kommt aus dem Französischen und bedeutet einfach "Überkleid" (frz.: sur = über, kot = Kleid [vgl. cotte]). Ab dem 13. Jahrhundert wurde der Surkot weit geschnitten. Er ist oft ärmellos, konnte aber auch Schlupfärmel mit nicht vollkommen geschlossenen Ärmelnähten haben, so dass man die Arme aus dem Surkot herausnehmen konnte und die Ärmel hinten auf dem Rücken herunterhingen (Abb. 14, Manesse Tafel 130).
Die ärmellose und die Schlupfärmel-Form kamen für die Frau später auf als für den Mann: Der ärmellose Surkot so gegen 1250, der Schlupfärmelsurkot so gegen 1280.
In den allermeisten Fällen wurde der Surkot ungegürtet getragen.
Teilweise wies der Surkot beim Mann Seitenschlitze oder Vorder- und/oder Hinterschlitz auf. Diese Schlitze konnten gegen Ende des 13. Jahrhunderts auch knöpfbar sein. Dies ist allerdings eine sehr extravagante Form (siehe auch Knöpfe). Frauensurkots waren ungeschlitzt, dafür aber länger (entsprechend dem Obergewand).
Meist war der Surkot mit Seide oder Pelz gefüttert. Der Surkot konnte auch einen V-Ausschnitt aufweisen (Abb. 15, siehe auch Manesse Tafel 80, 61).
Es scheint so zu sein, dass der ärmellose Surkot bei Frauen hauptsächlich als Repräsentationsgewand getragen worden ist und nicht als eine Art Kittelschürze zum Arbeiten - zumindest implizieren das die Abbildungen, die ich bisher gesehen habe.
Die Ärmelausschnitte variierten von sehr eng bis sehr weit, wobei der Ausschnitt teilweise bis auf die Hüfte herunter reichen konnte. Das Aufkommen der sogenannten "Teufelsfenster", die einen so weiten Ärmelausschnitt bezeichnen, dass vom Kleid im Ärmelbereich vorne und hinten teilweise nur noch ein handbreiter Streifen übrig blieb und der den Blick auf die darunter eng anliegende Cotta freigab, bleibt schwer einzuordnen. Das früheste Vorkommen ist in Spanien um 1240 zu finden. Von dort aus hat er sich - allerdings sehr langsam - wohl über Frankreich und Italien weitervebreitet. Auf einer dänischen Kalkmalerei, die allerdings auch von dänischen Fachautoren bereits unterschiedlich datiert wird (frühestens 1320, spätestens 1345), sind diese Teufelsfenster bereits zu sehen. Auch in Frankreich und Italien sind sie zu dieser Zeit belegt. Nur in Deutschland scheint man etwas später zu sein (offenbar waren die Deutschen damals schon eher Modemuffel).(Abb. 16).

Bild: Abb. 16
Abb. 16
Bild: Abb. 14
Abb. 14

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Kappe / Cappa

Abb. 73
Abb. 73

Die Kappe (cappa) war ein Reisegewand, das ärmellos und über den Kopf zu ziehen war und mit einer angesetzter Kapuze ausgestattet sein konnte. Sie konnte verschiedene Formen und Längen haben. Die kurze Variante ist als Arbeits- und Bauernkleidung anzusehen. Dabei konnte die Kappe entweder rundrum geschlossen sein. Das konnte entweder durch einen vorne zusammen genähten Kreisausschnitt (z.B. Halbkreis) (Abb. 70 und 77) gewährleistet werden oder durch ein rechteckiges Stoffstück (Abb. 73). Für letzteres ist ein schöne Anleitgung im nebenstehenden Link-Kasten zu finden.
Eine weitere Möglichkeit ist ein rechteckiges Stoffstück mit einem Loch für den Kopf (Abb. 71 und 74)
Je länger die Kappe war und je mehr Soff zur Herstellung verwendet wurde (bis hin zum Vollkreis mit Schlupfloch für den Kopf), desto weniger taugte sie zum Arbeiten. In der Manesse habe ich eine Form gefunden, die offenbar aus einem bodenlangen Vollkreis besteht und zusätzlich Schlupflöcher für die Arme hat (Abb. 75). Dies macht bei einer bodenlangen Kappe auch Sinn, da es sonst schwierig wird, die Hände aus diesen Stoffmasen nach unten "heraus zu wurschteln". Im englischen Edward-Psalter kann man zumindest eine Abbildung ebenfalls in diese Richtung interpretieren (Abb. 72).
Abb. 76 ist schwer zu interpretieren: der Stoff scheint zwar vorne kürzer zu sein, aber für eine Kappe gemäß Abb. 73 scheint mir das zu viel Stoff zu sein. Es könnte sich auch um eine lange Voll- (oder Teil-)kreis-Kappe handeln, bei der sich die scheinbare Stoffverkürzung druch das Raffen des Stoffes ergibt.

Das Wort cappa hat sich bis heute im (englischen) Cape erhalten und wenn man den Begriff kennt, wird auch klar, dass Siegfrieds "Tarnkappe" ein Tarn-Überwurf war und kein Hut - ebenso wie Rotkäppchen ein rotes Mäntelchen trug und nicht etwa ein rotes Käppi ;-).

Abb. 70
Abb. 70
Abb. 71
Abb. 71
Abb. 72
Abb. 72
Abb. 73
Abb. 73
Abb. 74
Abb. 74
Abb. 75
Abb. 75
Abb. 76
Abb. 76
Abb. 77
Abb. 77

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Mantel / Umhang

Bild: Abb. 20
Abb. 20

Im 13. Jahrhundert wurde eine Variante des Schnurmantels, der Tasselmantel modern. Hier wurde die Schnur an zwei Tasseln befestigt, die auf beiden Seiten des Umhangs angebracht waren (Abb. 20). Die Schnur konnte auch ein Stück Borte oder ein mit Metallschmuck beschlagener Lederriemen sein. Dieser Mantel diente ausschließlich Repräsentationszwecken. In der bildenden Kunst wurde er oft dargestellt: Vielfach vornehm gerafft, so daß ein eindrucksvoller Faltenwurf entsteht. Oft wird auch dargestellt, wie die Trägerin die Finger einer Hand in das Tasselband hakt. Auch diese Geste galt aus ausgesprochen vornehm. Der Tasselmantel wurde von beiden Geschlechtern getragen.
Parallel wurde auch immer noch der vorne geschlossene Umhang getragen (Abb. 21).


Bild: Abb. 21
Abb. 21

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Garde-Corps

Bild: Abb. 22
Abb. 22

Das Garde-Corps (von frz. garde = beschütze und coprs = Körper) ist ein Reisegewand, teils mit Kapuze, über den Kopf zu ziehen, mit sehr langen Ärmeln, teilweise bis ans Knie ober bis zum Rocksaum. Die Ärmel konnten auf Höhe des Ellenbogens einen Schlitz zum Durchstecken der Unterarme aufweisen oder der Arm konnte ganz aus dem Ärmel genommen werden (Abb. 22).
Für die Frau scheint der Garde-Corps sehr weite Ärmel gehabt zu haben und einen sehr weiten "Rock", da er keinen Reitschlitz besaß, wie das Pendant des Mannes (Abb. 23, siehe auch Manesse Tafel 59). Abbildung 54 zeigt die Armschlitze ganz gut. Während der Garde-Corps für den Mann schon Mitte des 13. Jahrhunderts aufkommt, ist er für die Frau später zu beobachten. Den frühesten Nachweis bisher habe ich aus England, um 1250. Dort ist der Garde-Corps nur wadenlang dargestellt. Die früheste Abbildung aus Deutschland ist vom Freibuger Münster um 1300 (Abb. 54. Hier kann man auch einmal sehr gut sehen, welche Probleme beim Interpretieren von Quellen auftauchen können: Die Ärmel des Garde-coprs sind hier in einer anderen Farbe dargstellt. Dies ist die einzige Abbildung für ein Garde-Corps (oder überhaupt ein Kleidungsstück) mit andersfarbigen Ärmeln. Wenn man nun weiß, dass das Freiburger Münster gerade frisch restauriert wurde und dabei die Farbegebung einer viel früheren Restauration zurückgegriffen wurde, dann muss man die farbigen Ärmel in einem anderen Licht betrachten. Es liegt also der Schluss nahe, dass der Restaurator damals das Kleidungsstück anders interpretiert hat. Die Farbgebung sollte daher beim Freiburger Münster außen vor bleiben...
Insgesamt scheint der Garde-Corps für Männer häufiger vorzukommen als für Frauen.

Bild: Abb. 23
Abb. 23
Bild: Abb. 54
Abb. 54

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Garnache

Bild: Abb. 18
Abb. 18

Die Garnache ist hauptsächlich für den Mann belegt. Sie war ein über den Kopf zu ziehendes Gewand mit "Fledermausärmeln". (Abb. 18, siehe auch Manesse Tafeln 39, 49, 120, 135)


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Sukenie

Die Sukenie ist nicht eindeutig vom Surkot zu unterscheiden.


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