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Mode im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann


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Knöpfe

Knöpfe

Knöpfe kamen Anfang des 13. Jahrhunderts auf. Vermutlich wurden sie von den Kreuzzügen aus dem Orient mitgebracht.
In Deutschland sind vereinzelte Knöpfe (nicht mehr als 3 Stück) als Halsausschnitt ab ca. 1230 zu finden. Die typischen Knopfreihen tauchen jedoch erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts auf.
Am Ärmel sind Knöpfe in Frankreich ab Mitte des 13. Jh. zu belegen, in Deutschland tauchen die erst ab ca. 1280 auf, hier zunächst offenbar nur bei Männern.
Ab diesem Zeitpunkt treten sie immer öfter und auch gehäufter auf. Die Knopfleiste am Ärmel, die zunächst nur etwa den halben Unterarm hinaufreichte, zieht sich im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts langsam bis zum Ellenbogen hinauf. Bei Frauencottas sind Knöpfe ab ca. 1300 zu finden. Wie es zu dieser Verzögerung kommt, ist mir nicht bekannt.
Allerdings scheint es so gewesen zu sein, dass Knöpfe (vom Klerus) wohl zunächst als Eitelkeit empfunden wurden. So ist z.B. einer der ersten Nachweise für Ärmel-Knöpfe bei Frauen die "Frau Welt" am Wormser Münster. Auch bei den beiden Darstellungen des "Fürsten Welt" in Straßburg und Freiburg (beide um 1300) ist eine so übermäßige Verwendung von Knöpfen zu beobachten, dass es fast wie eine Karrikatur wirkt: Der Fürst hat nicht nur Knöpfe an Ausschnitt und Ärmlen, sondern auch noch an beiden seitlichen Reitschlitzen und auf beiden Schultern. Die beiden letzteren Varianten habe ich sonst noch nirgends gefunden. Da beide Figuren in der christlichen Ikonographie als Verführer und Symbol für Sünde und Eitelkeit stehen, liegt der Verdacht nahe, dass hier der Gebrauch von größeren Mengen von Knöpfen als sündig angeprangert wird. In wie weit die große Menge an Knöpfen die Realität wiedergibt oder es sich hierbei eben um eine Übertreibung handelt, kann ohne Weiteres nicht entschieden werden. Hier zeigt sich aber einmal mehr, wie vorsichtig man beim Interpretieren von Quellen sein muss.
Relativ zweifelsfrei können ab dem 14. Jahrhundert Knöpfe als Verschlussmechanismus bei Gugeln nachgewiesen werden. Im Spätmittelalter werden die Kleider dann vorne komplett von oben bis unten geknöpft.
Die häufigste Form ist dabei der Kugelknopf. Als Materialien kommen hauptsächlich Messing und Silber in Frage. Zinnknöpfe sind für England nachzuweisen. In Deutschland scheint Zinn dagegegen kaum benutzt worden zu sein. Ab dem späten 14. Jahrhundert sind (zumindest für England) auch Knöpfe aus Stoff nachzuweisen.
Knöpfe bleiben lange ein Lieblingskind der Mode. Sie dienen dazu, wie viele andere Accessoires auch, Reichtum nach außen anzuzeigen: Knöpfe sind erstes teuer und zweites bei der Arbeit eher unpraktisch; es braucht zu lange, um sich die Knopfleisten aufzuknöpfen, wenn man sich 'mal schnell die Ärmel hochkrempeln will. Dies gilt natürlich vor allem für die eng besetzen Kopfreihen, bei denen die Anzahl der Knöpfe über das physikalisch Nötige weit hinausgingen.
Um Knöpfe herzustellen gibt es verschiedene Methoden:
- der Guss, entweder aus einem Stück oder aus 2 Hälften, die zusammengelötet werden. Dabei entstehen jedoch ziemlich schwere Knöpfe mit einem groben Schaft.
- hohle Knöpfe, die aus 3 Teilen zusammengesetzt (gelötet werden): aus der oberen Halbkugel, der unteren und dem Schaft. Diese Knöpfe sind wesentlich leichter und haben einen feinen Schaft.


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