Bild: Tempora Nostra: Geschichte sehen - hören - begreifen

Einleitung von Philipp Klostermann


Material und Werkzeug

Folgende Materialien werden benötigt:

  • Formsand - Der hier verwendete Formsand ist ein tonhaltiger leicht öliger und damit zusammenpappender Bentonit - Sand, der im Gießereibedarf zu bestellen ist. Ich habe ihn bei Gießereibedarf Hohnen (www.hohnen.de) unter dem Namen "Bentomix" im 25 Kg-Sack gekauft. Vorsicht bei der Bestellung! Die Versandkosten übersteigen leicht die eigentlichen Kosten der Bestellung um ein Mehrfaches. Evtl. lohnt es sicht, selbst nach Bielefeld zu fahren und den Kram persönlich abzuholen.
    Weitere Quellen für Öl-Formsand können evtl. unter ScoutScout - Giessereibedarf gefunden werden. Nähere Rechercheergebnisse werden an dieser Stelle folgen.
  • Trennmittel - Als Trennmittel eignet sich scheinbar alles, was Pulver oder pulverisierbar und hitzefest ist. Als Trennmittel habe ich bisher erfolgreich eingesetzt: basisches Magnesiumcarbonat (fälschlicherweise auch als Magnesia - also Magnesiumoxid bezeichnet) also das weiße Zeug, was sich Reckturner und Freeclimber an die Finger schmieren, geschabter Speckstein, fein gemahlenes Borax und geschabter ungebrannter Ton.
  • Brennmittel für den Ofen, also im Normalfall Holzkohle oder Koks (notfalls auch Schmiedekohle, dazu später mehr).
  • Ein zum Gießen geeignetes Metall. Sehr gut eignet sich Silber , weil es im Ofen nicht so Empfindlich ist, gute Fließeigenschaften hat, sich sehr schön nachbearbeiten lässt, und mit 0,2-0,3 € pro Gramm gar nicht so teuer ist, wie viele meinen. Im Mittelalter wurde viel mit Kupferlegierungen gemacht, also Bronze und Messing und die verschiedensten weil damals teils zufällig entstandenen Mischformen davon. Im Katalog steht zu Fundstücken dieser Art meist nur "copper alloy" und das kann alles mögliche sein. Ich benutze gerne normales Messing, da es gute mechanische Eigenschaften und eine schöne Farbe hat und gut und billig verfügbar ist. Messing ist Kupfer, was mit einem geringeren Anteil an Zink legiert wurde. Als weitere Legierungsmetalle für Kupfer sind noch Zinn (ergibt Bronze) und Blei (ergibt Bleibronze) zu nennen. Nun war und ist es üblich, Zinn mit Blei zu legieren, und es ist wahrscheinlich, dass dieses Hartzinn auch gerne zum Legieren von Kupfer verwendet wurde. Auch wahrscheinlich ist, dass Messing- und Bronzeteile zusammen eingeschmolzen wurden. Mit Gold zu gießen und es nachzubearbeiten wäre klasse, aber gut 1000 €, um mir eine Grundarbeitsmenge von 100 g zu kaufen, habe ich zur Zeit einfach nicht.

Folgende Werkzeuge werden benötigt:

  • Ofen (dazu später mehr)
  • Schmelztiegel - Gibt es ebenfalls bei Hohnen. Am besten sind Graphittiegel. Für jede Metallart (Messing/Silber/Zinn/Blei) sollte man einen eigenen Tiegel haben, damit sich die Metalle nicht gegenseitig verunreinigen. 50 mm Höhe oder mehr reichen für kleinere Gegenstände, größere Tiegel sind aber praktischer in der Handhabung, weil sie nicht so schnell abkühlen. Bei der Größe des Tiegels für geringe Metallmengen sollte auch immer beachtet werden, dass der Eingusskanal viel Material schluckt und der Tiegel flexibler zu handhaben ist, wenn er nur zu einem kleinen Teil gefüllt ist und nicht so leicht überschwappt. Tiegel mit Deckel sind Luxus und der Deckel versperrt nur die Sicht zur Schmelze.
  • Eine stabile Tiegelzange - keine dünne Scherenzange aus Stahldraht oder ähnliches. Am besten ist es, eine passend zum Tiegel nach seinen Bedürfnissen zu schmieden. Dabei unbedingt darauf achten, dass die Zange Dick genug wird, dass sie auch noch halbwegs die Form behält, wenn sie vorne bereits glüht und einen Tiegel voll mit Metall halten soll. Im Notfall reicht auch eine Schmiedezange, die geeignet ist, zylindrische Objekte von der Dicke eines Tiegels zu halten.
  • Formkasten - Ein Formkasten wie wir ihn brauchen ist ein zweiteiliger Rahmen mit zwei oder mehr Führungsbolzen und zwei Aussparungen für den Eingusskanal. Ich empfehle hier den Selbstbau, da ich erstens bei Hohnen oder Fischer keine Formkästen gesehen habe, die meinen Vorstellungen entsprachen, und zweitens die, die ich gesehen habe, zu teuer waren. Wer kein Schweißgerät hat, kann sich einen Formkasten aus Holz statt aus Stahl oder Eisen bauen. In jedem Fall dürfte die Abbildung ausreichend sein. Ich verzichte erst mal auf eine Anleitung zur Herstellung.
  • Hammer - möglichst mit rechteckiger glatter Bahn
  • dünne Nadel, 4 cm Tesafilm
  • gleichmäßig dünnes Messer, dünner Spachtel oder Palette. Eine Palette ist ein langer dünner Spatel, typischerweise aus Blech, der z.B. beim Backen verwendet wird, um eine Creme auf einer Torte zu verteilen (im Folgenden nenne ich das Werkzeug Palette.)
  • kleines Messer
  • Kneifzange, Kombizange oder Seitenschneider
  • Schlüsselfeilen und/oder Nadelfeilen
  • wenn vorhanden: ein Dremel o.Ä. mit Schleifaufsätzen
  • Schleifpapier in den Körnungen 400, 1000 und ggf. 2000
  • Metallpolitur
  • Stofflappen und Streifen (Baumwolle)
  • wenn Dremel vorhanden: Polieraufsätze für den Dremel

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