Bild: Tempora Nostra: Geschichte sehen - hören - begreifen

Einleitung von Philipp Klostermann


Erstellen des Abdrucks

Andrücken des Objektes
Andrücken des Objektes

Wichtigste Überlegung ist nun, wo der Eingusskanal anzubringen ist. Dafür gelten grundsätzlich die gleichen Strategien, wie sie schon im 1. Kapitel erwägt wurden. Das Objekt sollte an der Stelle keine feinen Strukturen aufweisen und möglichst leicht nachzubearbeiten sein. Außerdem möchte man die Anzahl der Entlüftungskanäle möglichst gering halten, so dass nach oben geschlossene Holräume zu vermeiden sind. Bei dem hier gezeigten Objekt ist die Wahl einfach: Das Spitze Ende oben oder der untere runde Teil. Ich habe mich hier für den oberen spitzen Teil entschieden. Das Objekt wird im unteren Drittel des Formkastens mit dem geplanten Eingusskanal nach oben platziert und leicht festgedrückt. Metall hat im flüssigen Zustand eine recht hohe Oberflächenspannung. Das hat zur Folge, dass sich kleinere Mengen an flüssigem Metall nicht jeder feinen Struktur anpassen, sondern nur eine grobe Abbildung mit gerundeten Kanten formen. Um dem entgegenzuwirken sorgen wir für Druck. Um den nötigen Druck zu erzielen, bauen wir einen möglichst hohen Eingusskanal, so dass das flüssige Metall im Eingusskanal durch sein eigenes Gewicht den nötigen Druck erzielt. Um einen hohen Eingusskanal zu gewährleisten, platzieren wir das Objekt möglichst tief im Formkasten, aber auch nicht zu nahe am unteren Rand, um ein zu schnelles Abkühlen zu verhindern.


vorsichtiges Andrücken der oberen Hälfte
vorsichtiges Andrücken der oberen Hälfte

Beim Aufsetzen der anderen Hälfte ist es ratsam, diese zunächst mit einer Hand so zu halten, dass die Fläche das zu gießende Objekt zuerst nur berührt, und dann mit der anderen Hand den Formsand von der Rückseite her anzudrücken, während die Hand, die den Formkasten hält, entsprechend nach unten nachgeführt wird. So kann man verhindern, dass der Formsand beim Festdrücken der Form nach außen hin ausbricht. Liegen die Hälften aufeinander, kann der Formsand mit den Handflächen kräftig komprimiert werden.


Verdichten des Formsandes mit dem Hammer
Verdichten des Formsandes mit dem Hammer

Dann wird der Formsand richtig komprimiert. Dabei entsteht ein genauer Abdruck von dem Objekt. Hat das Objekt tiefere Strukturen, wie z.B. die Löcher in dem hier verwendeten Objekt, sollte man es mit dem Komprimieren nicht untertreiben. Der Formsand braucht schon eine ganze Weile, um sich in allen Ritzen zu verteilen. Mit einem Hammer, der eine rechteckige flache Bahn hat, wir der Formsand gleichmäßig komprimiert. Dabei fängt man mit ganz leichten Schlägen an, die langsam heftiger werden. Die äußere Fläche gibt dabei nach und geht in den Formkasten hinein. Sie sollte halbwegs eben gehalten werden, um eine gleichmäßige Komprimierung zu gewährleisten. Wenn man das Gefühl hat, dass der Formsand zu sehr nachgibt, hat man wahrscheinlich vor dem Trennen der beiden Formhälfen mit der Palette nicht genügend vorkomprimiert. Man kann dann etwas Formsand von außen nachlegen, den man dann auch mit dem Hammer komprimiert.


Eingusskanal anschneiden
Eingusskanal anschneiden

Die Form wird dann wieder auseinandergenommen. Die Hälfte, in der das Objekt liegt, wird von diesem befreit, indem sie mit etwas schwung so bewegt wird, dass die Innenfläche nach unten zeigt. Ich mache dabei immer eine ausholende schnelle Bewegung mit dem Arm, damit das Objekt nach vorne senkrecht herausfällt, und nicht schon beim Kippen schräg herausfällt und die Form beschädigt. Wenn das Objekt festhängt, kann man ein paar ruckartige Bewegungen nach unten machen. Hilft das auch nicht, kann man die Hälfte Kopfüber halten, und das Objekt mit einer Messerspitze an der Stelle vorsichtig herausschubsen, wo später der Eingusskanal hin soll.


Eingusskanal von der anderen Seite anschneiden
Eingusskanal von der anderen Seite anschneiden

Mit der Palette oder mit einem Messer mit gerader Schneide wird nun der Eingusskanal geschnitten. Dazu zuerst von einer Seite her anschneiden und dann von der anderen Seite her schneiden, wie in den beiden Abbildungen zu sehen. Es wird hierbei noch nicht bis zum Gussholraum geschnitten, sondern nur bis kurz davor. Dieser kegelförmige Einschnitt wird an beiden Formhälften vorgenommen.


Schnitt, der den Eingusskanal mit dem Holraum verbindet
Schnitt, der den Eingusskanal mit dem Holraum verbindet

Mit einem Messer wird dann das letzte Stück Eingusskanal geschnitten. Das sollte auf der weniger "wichtigen" Seite, also hier die Rückseite des Objektes geschehen. Die Vorderseite braucht keinen Eingusskanal, da sie ja mit der Rückseite verbunden ist. Der obere Breite Teil des Eingusskanals sollte aber wie gesagt in beiden Formhälften vorhanden sein, um diesen schön breit zu halten, damit das Metall nicht zu schnell abkühlt.


Stechen des Entlüftungsloches
Stechen des Entlüftungsloches

Nun kommen Nadel und das Stückchen Tesafilm zum Einsatz. Wie auf dem Bild zu sehen wird der Tesafilm flach um das Ende der Nadel gelegt. Dadurch erhält man einen Griff für die Nadel, der die Kraft nur nach vorne und hinten, nicht aber zur Seite überträgt. Mit diesem selbstgebauten Werkzeug wird ein Entlüftungsloch gestochen. Der Tesa-Griff sorgt dafür, dass das Loch nicht durch winzigste Bewegungen aufgerissen wird und die Innenfläche der Form beschädigt wird. Formsand ist halbwegs luftdurchlässig und der Zwischenraum zwischen den beiden Formhälften schließt auch nicht 100% dicht, so dass Luftlöcher eigentlich nicht so wichtig sind. Das Luftloch soll hier nur unterstützend wirken, deshalb muss es auch nicht möglichst weit oben liegen, sondern kann ruhig in die Mitte der Rückseite. Nachdem das Luftloch gestochen wurde, sollte man die Form nicht mehr hinlegen, da das Luftloch so schnell wieder von außen geschlossen wird.
Die beiden Formhälften werden danach vorsichtig zusammengesetzt, um nicht die feinen Kanten, die den Rand des Objektes bilden zu beschädigen, und ggf. zugeschraubt. Wer einen Formkasten aus Holz hat, kann ihn etwa auf halber Höhe mit einem Lederbändchen zusammenbinden.


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