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Mode im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann


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Kleiderordnungen

Kleiderordnungen

Kleiderordnungen dienen im Allgemeinen dazu, den üebrtriebenen Luxus bei der Kleiderwahl einzudämmen, aber auch dazu, sich nach oben hin abzugrenzen. Sie wenden sich demensprechend meist an den Adel und/oder das Bürgertum. Frühe Ordnungen finden wir z.B.
- in Spanien um 1258, erlassen von Alfons X.
- in Frankreich um 1279, erlassen von Philipp III.
- in Frankreich um 1294, erlassen von Philipp IV.

Sie versuchen, bestimmte Materialien und Kleidungsstücke nur für bestimmte Vermögens- oder Adelsgruppen zuzulassen. Auch die Anzahl neuer Garnituren pro Jahr wird geregelt.

Für Deuschland sind in dieser Zeit keine entsprechenden Erlasse zu beobachten. Hier schien es eher darum zu gehen, dass sich der Adel versuchte von den Bauern abzugrenzen.
Hier gibt es im "Bayerischen Landfrieden" von 1244 (Artikel 71) eine Passage, wonach Bauern nur graue oder billige blaue Kleidung und rindslederne Schuhe erlaubt sind. Bäuerinnen sollen keinen Seidenbesatz auf ihre Kleider nähen und sie sollen keine gesonderte Kopfbedeckung zum Kirchgang tragen (außer ein Teil des Kleides). Ich nehme an, letzteres meint, dass sie sich nur den Mantel über die Haare legen sollen.
Interessanterweise nehmen die Kolmarer Annalen Bezug auf die Verordnung von Philipp III. - und zwar indem sie behaupten, der König von Frankreich hätte den Bauern das Tragen von Ritterkleidung verboten. Bauern werden jedoch im Original gar nicht erwähnt.
Ansonsten gibt es noch einige fiktive Kleiderordnungen, die sich mit den Bauernkleidern auseinandersetzen: die Kaiserchronik (Mitte 12. Jh.) "zitiert" das fiktive Recht Karls des Großen, wonach Bauern nur graue oder schwarze Kleidung tragen dürfen und nicht mehr als jeweils zwei Gere rechts und links einsetzen dürfen. Mittelgere sind tabu. Auch hier werden die rindsledernen Schuhe erwähnt.
Diese Vorstellung von bäuerlicher Kleidung zieht sich durch die hochmittelalterliche Literatur wie ein roter Faden. Meist wird in diesem Zusammenhang beklagt, dass sich die Bauern "heutzutage" prächtige Kleidung trügen und gar nicht mehr von den Rittern zu unbterscheiden seien. Im Gegensatz dazu wird auf die "gute alte Zeit" verwiesen, in der die Bauern noch wussten, was sich gehörte.

Daraus läßt sich ablesen, dass offenbar der Geldbeutel über den Kleiderluxus bestimmte, und dass selbst dieser noch überstrapaziert wurde, um mit Kleidung zu prunken.
Und dass dieser Umstand unabhängig vom Stand war.

Quellen:

  • Elke Brüggen
    Kleidung und Mode in der höfischen Epik des 12. und 13. Jahrhunderts
    Carl Winter Universitätsverlag
    ISBN 3-533-04060-7
    Seite 141 ff