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Mode im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann


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Farben

Farben

Auffällig an dieser Epoche ist die Liebe zur Farbenpracht. Da es noch keinen Stoffdruck im heutigen Sinne gab, waren die Stoffe einfarbig, abgesehen von extrem teuren Brokatstoffen aus dem Orient. Also versuchte man die Farbenpracht durch das Kombinieren von möglichst vielen verschiedenen Farben zu erreichen. Dabei sollten die Farben möglichst leuchtend sein.
In der Literatur werden oft Kleider beschrieben, die grasgrün oder blutrot waren. Solche Farben sind zwar mit Naturfarbstoffen tatsächlich zu realisieren, jedoch ist das nicht ganz billig, wenn die Farben dann auch noch halbwegs lichtecht sein sollten. Dies gilt vor allem für die Farben rot und blau. Auch ein kräfiges blaustichiges Grün war teuer, da sich diese Farbe fast nur durch überfärben von Blau mit Gelb herstellen lässt. Diese drei Farben waren die beliebtesten. In der Literatur wird daneben auch noch violett erwähnt.
Bei der Farbe Gelb muß man unterscheiden: Ein kräftiges Goldgelb wurde auch vom Adel getragen. Bei Männern konnte der Waffenrock gelb sein, wenn Gelb die vorherrschende Wappenfarbe war, bei Frauen habe ich zumindest auf Abbildungen noch kein gelbes Gewand entdecken können.
Allerdings taucht Goldgelb immer wieder als Farbe des Futters auf (speziell in der Manesse). Hellgelb dagegen war zumindest im Adel nicht gut gelitten. Dies hing neben der Tatsache, dass es sich einfach um eine billige Farbe handelt, auch von der Farbsymbolik ab.
Um die Farbvielfalt noch zu erhöhen, konnte man das Überkleid aus zwei unterschiedlich farbigen Hälften bestehen. So entstand der Mi-parti. Er kam im 12. Jahrhundert bereits auf, ist dort allerdings nur als Kleidung von Dienern zu sehen. In die höfische Mode zog er erst im 14. Jahrhundert ein. Selbst die unterschiedlich gefärbten Hälften konnten in sich noch einmal mit andersfarbigen Stoffen gestreift sein. Diese Extremform (mit Diagonalstreifen u.ä.) ist mir bisher aber hauptsächlich bei der Darstellung von Musikern und Gauklern aufgefallen.

Weniger teuere Farben gab es natürlich auch. Mit diesen konnten Ziegelrot, Olivgrün, Braun und vor allem verschiedene Gelbtöne gefärbt werden. Erschwinglicher mögen auch die Stoffe gewesen sein, im 2. oder 3. Auszug gefärbt wurden. Diese Färbungen waren dann natürlich nicht mehr so kräftig, also vielleicht eher pastellig. Dies ist jedoch nur Spekulation.
Aber selbst diese konnte sich nicht jeder leisten. Zumal man zum Färben auch das nötige Knowkow und die nötigen Zutaten braucht.
In den (meist fiktiven) Kleiderordnungen im Hochmittelalter wird immer wieder gefordert, dass Bauern nur graue Kleidung tragen sollten. Wobei "grau" hier mehr oder weniger die Abwesenheit von Farbe (also die natürliche Faserfarbe des Stoffes) meint. Wenn so etwas gefordert wurde oder die Nichteinhaltung dessen beklagt wurde, dann ist das natürlich ein Zeichen dafür, dass die Realität anders aussah. Jeder, der konnte wird versucht haben, irgendwie "bunt" zu sein und so dem Adel nachzueifern. Inwieweit ein Bauer selber in der Lage gewesen sein mag, sich Stoff zu färben, kann man heute nur schwerlich sagen. Fest steht, dass eine gleichmäßige Färbung von fertigem Stoff nur in entsprechend großen Gefäßen möglich ist. Ein solches Gefäß besitzt hat nicht jeder. Garnfärbung ist da schon einfacher. Aber hier besteht die Schwierigkeit darin, größere Mengen von Garn in ein und demselben Farbton zu färben, damit es beim Weben hinterher keine Streifen gibt. Alles in allem erfordert das Selberfärben entsprechendes Gerät, Zeit, und natürlich die Färbedrogen selber - und last but not least das entsprechende Wissen. Vermutlich war Kaufen da noch einfacher. Von keinen Garnmengen, um z.B. farbige Gürtel oder Borten herzustellen sei hier einmal abgesehen. Summa sumarum würde ich sagen, einfache oder Arbeitskleidung war ungefärbt. Je mehr Geld und/oder Zeit man hatte, desto eher konnte man sich gefärbten Stoff leisten. Billiger war der einfache Färber, der mit einheimischen Farben einheimische Stoffe färbte. Für die "betuchteren" Leute kamen dann Stoffe aus z.B. Flandern in Frage, die für Ihre Qualität in Stoff und Farbe berühmt waren. Den Abschluß der Liste bilden dann die extrem teuren Seiden-Brokatstoffe aus dem Orient (später dann auch aus Italien).

Hier einmal ein paar Farbproben von möglichen Farben.
1 - 9 sind eher preiswerte einheimische Farben. 10 und 11 zwar auch, aber Seide ist dann wieder teurer (wobei es sich hier um eine leichte Futterseide handelt). 12 - 21 sind dann die teuereren Farben, die entweder importiert wurden oder aufwändig sind durch Mehrfachfärbungen.
Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Stoffe habe ich selber gefärbt,

  1. Reseda auf Wolle *
  2. Reseda auf Wolle, 2.Zug *
  3. Birkenblätter mit Eisenvitriol auf Wolle *
  4. Walnuss auf Wolle
  5. Holunder auf Wolle *
  6. Krapp auf dunkelbrauner Wolle, 4. Zug *
  7. Krapp auf Wolle *
  8. Krapp auf Wolle, 2. Zug *
  9. Indigo auf Wolle *
  10. Reseda auf Seide
  11. Kamille auf Seide
  12. Cochenille und Krapp auf Wolle
  13. Cochenille auf Wolle
  14. Cochenille mit Weinstein auf Wolle *
  15. Cochenille mit Weinstein auf Wolle, 2. Zug *
  16. Rotholz auf Wolle *
  17. Rotholz und Indigo auf Wolle (Doppelfärbung *)
  18. Cochenille mit Eisenvitriol auf Wolle *
  19. Indigo auf Wolle
  20. Indigo und Reseda auf Wolle (Mehrfachfärbung) *
  21. Indigo und Reseda auf Wolle (Mehrfachfärbung) *

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