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Lexikon

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Zur Begriffserklärung: Als "Schleier" bezeichne ich hier den rechts und links symmetrisch getragenen Schleier. In Abgrenzung dazu nenne ich den asymmetrisch drapierten Schleier "Schleiertuch". Bei letzterem könnte es sich allerdings auch um einen lässig getragenen Wimpel handeln.
Der Schleier war in verschiedenen Formen das ganze Mittelalter hindurch "en vouge". Im 12. Jahrhundert trug die verheiratete Frau den Schleier als Schleiertuch um den Kopf gewickelt, so dass er das Haar vollständig bedeckte und dass das Ende locker um den Hals gelegt werden konnte (Abb. 2.1). Diese Form blieb auch im 13. Jahrhundert und bis ins 14. noch üblich (Abb. 2.3).
Später, ab dem 13. Jahrhundert kam dann die Form dazu, in der der Schleier locker auf den Kopf gelegt und/oder mit einem Schapel befestigt (Abb. 2.6 und 2.4). Wobei das mit dem "locker auf den Kopf gelegt" so sicher nicht stimmt, das Schleier dürfte in diesem Fall mit Haarnadeln festgesteckt worden sein. Er konnte auch mit dem Kinnband des Gebendes kombiniert werden (Abb. 2.5) oder über dem Stirnreif des Gebendes (Abb. 2.2; Naumburger Dom) getragen werden. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, den Schleier mit dem Wimpel oder der Rise zu kombinieren.(Abb. 2.7 siehe auch Abb. 56, 58, 59).
Der Schleier wird auf allen farbigen Abbildungen stets weiß dargestellt. Allerdings sind auch Schriften von Predigern überliefert, die das Tragen von gelben Schleiern verdammen. Also scheint auch das vorgekommen zu sein. Auf den gelben Schleier sollte man aber vielleicht doch besser nur zurückgreifen, wenn man eine Frau von zweifelhaftem Ruf darstellen möchte ;-).
Wenn man die zeitgenössischen Abbildungen anschaut, merkt man schnell, dass es eine große Varianz in Sachen Schleier gibt. Das geht vom eher strengen, längeren Schleier bis hin zu verspielteren Varianten, die einen Kaskaden-artigen Fall um das Gesicht herum aufweisen - je nach Geschmack der jeweiligen Trägerin.
Was die Form des Schleiers angeht: hinten war er vermutlich eckig - zumindest zeigen alle Abbildungen, auf denen man einen Schleier von hinten sehen kann, Ecken (siehe auch rechte Info-Spalte).
Im 13. Jahrhundert kann man den Schleier alleine nicht mehr zur Bestimmung des Familinestandes der Frau heranziehen, denn auch Jungfrauen konnten Schleier tragen. Die klugen Jungfrauen werden oft mit Schleier dargestellt und das Paradebeispiel schlechthin ist natürlich die heilige Jungfrau Maria, die sehr häufig Schleier trägt. Für unverheiratete Frauen ist auch die Kombination mit der Haube ok.
Eine verheiratete Frau kombinierte den Schleier mit dem Gebende (teils nur mit dem Kinnband) oder dem Wimpel. Zusätzlich dazu geht natürlich auch die Haube.


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