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Kopfbedeckungen im Hochmittelalter von Gabriele Klostermann

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Kopfbedeckungen im Hochmittelalter

Kopfbedeckungen wurden im Mittelalter fast immer getragen, egal, ob Frau oder Mann, ob reich oder arm. Das ist in unserer heutigen, nahezu kopfbedeckungsfreien Zeit kaum noch nachzuvollziehen. Allerdings braucht man nur einmal seine Eltern oder Großeltern zu fragen, um zu erfahren, dass diese stets "gut behütet" aus dem Haus gingen. Oder man sieht sich in den südeuropäischen Ländern einmal Sonntag vormittags in einem Dorf um, wenn die Dorfbewohner zur Messe gehen: die Frauen werden ihre Haare mit einem Kopftuch bedecken. Alle Trachten weisen Kopfbedeckungen auf, teilweise recht prächtig, so dass man nicht zu Unrecht von "Kopfputz" reden kann. Trachten jedoch, auch Festtagstrachten, sind an die damalige Alltagskleidung angelehnt. Das Tragen von Kopfbedeckungen hat mehrere Gründe: Bei Frauen waren das zunächst einmal hauptsächlich religiöse/kulturelle Gründe. Die Kirche schrieb vor, angelehnt an die in der Bibel beschriebene orientalische Sitte, das Haar − zumindest bei der verheirateten Frau − zu verhüllen. Beim Kirchgang hatten jedoch auch Jungfrauen das Haar zu bedecken. In der jüdischen Religion trifft das ja auch auf Männer zu: man tritt Gott nicht mit unbedecktem Haupt entgegen. Wobei der Grad der Verhüllung doch recht unterschiedlich sein konnte.
Ein anderer Grund ist natürlich die Eitelkeit. Abgesehen davon, dass die Kopfbedeckung selber einfach schön aussieht ("Kopfputz"), muss man auch noch beachten, dass häufiges Haarewaschen, so wie bei uns heutzutage, damals aufgrund der wenig verträglichen Wachmittel, kaum möglich war. ("Schauma" hat übrigens noch zu Beginn dieses Jahrhunderts in einer Werbung vom wöchentlichen Haarewaschen geschrieben...). Es ist zwar in der Kritik der Prediger immer wieder von übertriebener Haarpflege zu hören, aber ich glaube kaum, dass man da heutige Maßstäbe ansetzen kann. Wollte man also vernünftig aussehen, bedeckte man die etwas unansehnlichen Haare mit einer ansehnlichen Kopfbedeckung.
Zum anderen konnte die Kopfbedeckung natürlich auch als Schutz vor Wind, Wetter, Hitze, Kälte, Schmutz und Staub dienen.
Die mittelalterlichen Kopfbedeckungen behandle ich getrennt nach Frauen und Männern.

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