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Färben heute wie im Mittelalter?


Färben heute wie im Mittelalter?

Hier wollen wir unsere Erfahrungen mit dem Färben von Textilien und Leder mit natürlichen Mitteln veröffentlichen.
Auch hier tritt wieder das Problem mit den Quellen zu Tage: es gibt für das Hochmittelalter nicht in jedem Fall überlieferte Rezepte. Teilweise muten die Rezepte auch extrem abenteuerlich an, da den Färbern damals natürlich Kenntnisse der modernen Chemie fehlten. Manche Zutaten scheinen eher "mystischen" Charakter zu haben.
Von einigen Färbepflanzen wissen wir auch nur, dass sie benutzt wurden, aber nicht wie. Von anderen wiederum gibt es Überlieferungen aus früherer und aus späterer Zeit.
Und andere Methoden wiederum sind zwar überliefert, aber heutzutage nicht mehr überall ohne Weiteres anwendbar: z.B. die Blaufärbung von Waid mit ausgefaultem Urin. Hier bedarf es schon einer sehr toleranten bzw. besser gar nicht vorhandenen Nachbarschaft ;-).

Fü:r einige Sachverhalte gibt es nur indirekte Hinweise, z.B. für das Schwarzfärben von Schuhen, so dass wir hier wieder in den Bereich des "mit damaligem Wissen Möglichen aber nicht direkt Belegbaren"kommen...
Dies gilt z.B. für schwarze Schuhe: Sie werden auf sehr vielen Miniaturen schwarz dargestellt und diese Schwarzfärbung ist auch mit damaligen Mitteln möglich gewesen. Man weiß aber nur von einer ähnlichen Methode des Schwarzfärbens aus dem Textilbereich.

Ein weiters Problem ergibt sich daraus, dass die Färbemeister des Mittelalters auf eine Jahrhundert alte Tradition und jahrelange eigene Erfahrung zurückgreifen konnten. Diese Übung wird ein moderer Hobbyist kaum erlangen können, da er ja nicht den ganzen lieben langen Tag mit Färben beschäftigt ist.
Aber es macht eben einfach Spaß und ist ungeheuer interessant und lehrreich, so etwas einmal selber auszuprobieren.
Ebenfalls spannend ist die unglaubliche Farbvielfalt, die sich mit Naturfarben erzeugen läßt und seltsamerweise muss selbst ich als extrem nüchterner, naturwissenschaftlich denkender und absolut unesotherischer Mensch sagen, dass Naturfarben irgendwie eine andere Ausstrahlung haben scheinen als ihre synthetischen Verwandten.
Selbst wenn ich heute als chemisch gebildeter Mensch den Prozeß, der beim Färben abläuft genau verstehen kann, ist es doch eine tolle Erfahrung, den ganzen Tag am Kessel zu stehen und zu beobachten, wie die verschiedenen Stoffe mit einander reagieren. Da kann man dann schon ein bisschen nachvollziehen, wieso die mittelalterlichen Menschen von einer "Kraft" bein Färben sprachen und das Ganze immer einen magischen Beigeschmack hatte.

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