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Becher (Keramik)

Bild: Keramik-Becher

Beschreibung der einzelnen Becher von links nach rechts:

  1. Kugeliger Becher mit gewelltem Standfuß aus Faststeinzeug mit brauner Engobe.
    Gefertigt von der Museumstöpferei Langerwehe.
  2. Gesichtsbecher aus Faststeinzeug mit grober Magerung.
    Gefertigt von der Siegburger Töpferei.
  3. Kugelbecher aus Faststeinzeug mit grober Magerung.
    Gefertigt von der Siegburger Töpferei.
  4. Tasse mit 3 Standfüßen aus Faststeinzeug mit brauner Engobe.
    Gefertigt von der Museumstöpferei Langerwehe.

Es handelt sich um verschiedene Becherformen des späten 13. Jahrhunderts. Der Keramikbecher war im Mittelalter gewissermaßen die "Mittelklasse" der Trinkgefäße. Die einfachere Variante bildeten die aus Holz gefertigten Daubenbecher, die Luxusvariante waren die seltenen Trinkgläser.

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Quellen

Abbildung Fundstück: kugeliger Keramik-Becher

Aus: Mittelalterliche Gefäßkeramik - Die Bestände des Kölnischen Stadtmuseums
Sabine Wirth; ISBN 3-927396-34-6

Kugeliger Becher
Faststeinzeug Siegburger Art, Engobe;
13. Jh.
Dunkelkarminbraunes hart gebranntes, auf der Drehscheibe hergestelltes Gefäß. Eiförmiger nach unten sich verjüngender Gefäßkörper mit angekniffenen Wellenfuß. Ausgeweitete abgerundete Lippen. Umlaufenden Drehriefen. Engobe: Schwarzgraubrauner Scherben.


Abbildung Fundstück: Fragment eines Gesichtskruges
Aus: Brühler Keramik des Mittelalters - Band 7 der Schriftreihe zur Brühler Keramik
Reineking, Jürgens;

Fragment eines Gesichtskruges
Rheinland, 2. Hälfte 13. Jh.
Dunkelgrauer, hartgebrannter, stark gemagerter Ton.


Abbildung Fundstück: kugeliger Keramik-Becher
Aus: Mittelalterliche Gefäßkeramik - Die Bestände des Kölnischen Stadtmuseums
Sabine Wirth; ISBN 3-927396-34-6

Kugeliger Becher
Faststeinzeug Siegburger Art, 13. Jh.;
Schwarzbraunes sehr ahrt gebranntes, auf der Drehscheibe hergestelltes Gefäß. Kugeliger sich nach unten verjüngender Gefäßkörper mit angekniffenen Wellenfuß. Kurzer gekehlter Hals, Ausgeweitete runde Lippe. Umlaufende Drehriefen. Dunkelgrauer Scherben.


Abbildung Fundstück: Dreifußtopf
Aus: Steinzeug - Katalog des Kunstgewerbemuseums Köln - Band IV
Gisela Reineking-von Böck; ISBN 3-927396-34-6

Dreifußtopf
Frühsteinzeug, grauer Scherben mit dicker brauner, z.T. abgeplatzter Lehmglasur;
Rheinland, Fundort Köln, um 1300
Kugeliger Gefäßkörper auf drei Füßen. Einschnürung unter der weiten Öffnung. Lippenrand von beiden Seiten her abgerundet. Vom Lippenrand ausgehend kurzer, nach unter abgeknickter Bandhenkel.


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Quellenprobleme

Selbst bei etwas so Einfachem wie einem Keramikbecher ergeben sich zahlreiche Probleme.
Vergleicht man unsere Becher mit den genannten Quellen, wird schnell klar, dass sie keine genaue Replik darstellen. Sie repräsentieren bestenfalls mögliche Formen.
Das Problem geht schon damit los, einen Töpfer zu finden, der ein Auge für die hochmittelalterliche Formengebung hat. Den Töpfern damals war diese vertraut - sie haben ja nichts anderes gemacht.

Ein weiteres Problem sind die Materialien. Heutzutage weiß kein Töpfer mehr wirklich, wie eine mittelalterliche Engobe anzufertigen ist. Leider sind davon keine "Rezepte" überliefert.
Die wenigsten Töpfer benutzen einheimischen Ton. Das meiste kommt heute aus dem Westerwald, was für uns grundsätzlich ja eher positiv ist - aber leider findet man zu hochmittelalterlicher Keramik im Westerwald nicht viel. Hier interessiert leider nur das Steinzeug aus dem "Kannebäcker Land", dessen Blütezeit sehr viel später war. Im Kermik-Museum im Herzen des "Kannebäcker Landes" in Höhr-Grenzhausen findet man leider nur eine Handvoll mittelalterlicher Gefäße, die dann auch noch lieblos und völlig unzureichend datiert sind (schade eigentlich).

Der nächste Punkt ist der Brand: kaum ein Töpfer hat heute noch einen mit Holz befeuerten Brennofen. Moderne Öfen erzeugen aber durch die gleichmäßige Temperaturverteilung und den fehlenden Ascheflug absolut gleichmäßig gefärbte Scherben. Die Siegburger Töpferei hilft da mit aufgesprühtem künstlichen "Ascheflug" nach, um zumindest die Optik mittelalterlicher Keramik zu erzeugen... ;-)

Ferner kommen die üblichen Datierungsprobleme dazu. Ein schönes Beispiel dafür ist der Gesichtsbecher: In "Brühler Keramik des Mittelalters" wird er auf die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert - in "Steinzeug" wird er auf 1200 datiert. Das sind im schlimmsten Fall fast 100 Jahre Unterschied.
Hierzu eine Korrektur: In der neusten Auflage des "Steinzeug" von Gisela Reineking - von Bock ist der Gesichtskrug nun auf um 1300 datiert. Man sieht also, dass auch die Wissenschaft in Bewegung ist und nicht als absolut anzusehen ist.
Auch die Tasse, die in "Steinzeug" als Dreifußtopf, um 1300, bezeichnet wird, ordnet sich in " Brühler Keramik des Mittelalters" als typische Form einer Tasse für die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts ein (immerhin handelt es sich hier nur um ein paar Jahrzehnte Unterschied).

Der Gesichtsbecher weist dabei noch eine weitere Unsicherheit auf: beim Original handelt es sich um ein Fragment, das entweder zu einem Krug gehören könnte oder zu einem Becher (die Variante, die wir haben). Es gibt keinerlei direkten Vergleichsfunde für einen solchen Becher - jedoch gibt es im rheinischen Raum einige Pokale, die Figuren mir ähnlich frechen Gesichtern appliziert haben.

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Links:

Literatur:

  • Mittelalterliche Gefäßkeramik - Die Bestände des Kölnischen Stadtmuseums
    Sabine Wirth; ISBN 3-927396-34-6
  • Brühler Keramik des Mittelalters - Band 7 der Schriftreihe zur Brühler Keramik
    Reineking, Jürgens
  • Die römischen ud mittelalterlichen Töpfereien in Mayen, Kreis Mayen-Koblenz
    Berichte zur Archäologie an Mittelarhein und Mosel
    Redknap, Mark; ISBN 3-923319-41-X
  • Steinzeug - Katalog des Kunstgewerbemuseums Köln - Band IV Gisela Reineking-von Böck; ISBN 3-927396-34-6
    Achtung! Speziell beim letzten Buch unbedingt die neueste Ausgabe besorgen - da gibt es teilweise erhebliche Datierungsunterschiede!

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