Bild: Tempora Nostra: Geschichte sehen - hören - begreifen

Das verwunschene Orchester

Es war einmal eine Gruppe von Leuten, die alle die Liebe zur Musik verband. Und so beschlossen sie, ein Orchester zu gründen, um gemeinsam zu musizieren und anderen die Musik, die sie begeisterte, vorzutragen.

Das Orchester bestand aus einigen Musikern und einem Dirigenten, der ebenfalls ein Instrument spielte.
Man beschloss, ein Kammerkonzert von Hayden aufzuführen. Alles war gut und man hatte viel Freude mit einander.

Aber eines Tages fielen dem Dirigenten einige Sachen auf, die anfingen, ihm Probleme zu bereiten:

Mit der Zeit fiel natürlich auch den Musikern auf, dass irgend etwas mit dem Orchester nicht stimmte, und alle blickten gespannt auf den Dirigenten.
Dieser versuchte zunächst, das Orchester durch sein eigenes Spiel zu unterstützen. Aber das fruchtete nicht, denn der Dirigent war auch kein Genie. Schließlich begann er zu schimpfen, doch auch das halt nichts.
Nichts klappte mehr, keinem machte es mehr so richtig Spaß - aber die Liebe zur Musik war geblieben und alle wollten weitermachen. Jeder erwartete mit großer Selbstverständlichkeit vom Dirigenten, dass er all diese Probleme lösen könne und das Orchester zur großen Hayden-Aufführung führen würde.

Doch der Dirigent war ratlos:
Mit diesem Orchester konnte man definitiv kein Hayden-Konzert aufführen. Wenn man also gemeinsam musizieren wollte, musste man entweder ohne Publikum arbeiten oder Popmusik machen, denn das beherrschten alle Musiker. Der Dirigent hatte jedoch nach 5 Jahren Popmusik die Nase voll davon und träumte weiter von Hayden - zumal ja auch niemand sagte, dass er Popmusik machen wollte.

Schließlich resignierte der Dirigent und sagte sich: "Ich mache erst dann mit dem Orchester weiter, wenn irgend jemand kommt und mir ein Stück aus dem Hayden-Konzert auf seinem Instrument vorspielt. Dann weiß ich, dass ihm das wirklich Spaß macht. Und solange das nicht passiert, muss ich nun auch nicht mehr üben.".
Damit packte er seinen Kram zusammen und weil gerade so schönes Wetter war, ging er ins Freibad und ließ es sich gutgehen. Und wenn er nicht gestorben ist, dann liegt er da noch heute.

Schnorkel

Spitzfindige Kritiker könnten dazu neigen, dieses uralte Märchen irgendwie mit gruppendynmischen Prozessen innerhalb von Tempora Nostra und meiner persönlichen allgemeinen Frustration über eben diese Vorgänge in Zusammenhang zu bringen.
Lächerlich!!!

Nunja, genauere Forschungen haben ergeben, dass dem Dirigenten inzwischen langweilig geworden ist (oder es ist ihm im Winter doch zu kalt geworden...).
Auch andere Musiker haben wohl Entzugserscheinungen bekommen. Jedenfalls hat man im kleinen Kreise wieder angefangen, die Instrumente zu stimmen... ;-).

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