Bild: Tempora Nostra: Geschichte sehen - hören - begreifen

Lexikon

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Garde-Corps

Bild: Abb. 22
Abb. 22

Das Garde-Corps (von frz. garde = beschütze und coprs = Körper) ist ein Reisegewand, teils mit Kapuze, über den Kopf zu ziehen, mit sehr langen Ärmeln, teilweise bis ans Knie ober bis zum Rocksaum. Die Ärmel konnten auf Höhe des Ellenbogens einen Schlitz zum Durchstecken der Unterarme aufweisen oder der Arm konnte ganz aus dem Ärmel genommen werden (Abb. 22).
Für die Frau scheint der Garde-Corps sehr weite Ärmel gehabt zu haben und einen sehr weiten "Rock", da er keinen Reitschlitz besaß, wie das Pendant des Mannes (Abb. 23, siehe auch Manesse Tafel 59). Abbildung 54 zeigt die Armschlitze ganz gut. Während der Garde-Corps für den Mann schon Mitte des 13. Jahrhunderts aufkommt, ist er für die Frau später zu beobachten. Den frühesten Nachweis bisher habe ich aus England, um 1250. Dort ist der Garde-Corps nur wadenlang dargestellt. Die früheste Abbildung aus Deutschland ist vom Freibuger Münster um 1300 (Abb. 54. Hier kann man auch einmal sehr gut sehen, welche Probleme beim Interpretieren von Quellen auftauchen können: Die Ärmel des Garde-coprs sind hier in einer anderen Farbe dargstellt. Dies ist die einzige Abbildung für ein Garde-Corps (oder überhaupt ein Kleidungsstück) mit andersfarbigen Ärmeln. Wenn man nun weiß, dass das Freiburger Münster gerade frisch restauriert wurde und dabei die Farbegebung einer viel früheren Restauration zurückgegriffen wurde, dann muss man die farbigen Ärmel in einem anderen Licht betrachten. Es liegt also der Schluss nahe, dass der Restaurator damals das Kleidungsstück anders interpretiert hat. Die Farbgebung sollte daher beim Freiburger Münster außen vor bleiben...
Insgesamt scheint der Garde-Corps für Männer häufiger vorzukommen als für Frauen.

Bild: Abb. 23
Abb. 23
Bild: Abb. 54
Abb. 54

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